Spannender Blickwinkel

Die kurze Biografie „Josemaría Escrivá begegnen“ von Prälat Rolf Thomas ist „ein sehr persönliches Buch. Die enge Verbundenheit des Autors mit dem Porträtierten garantiert dabei eine Höchstmaß an Authentizität.“

Auszug aus der Besprechung

„Prälat Rolf Thomas, viele Jahre lang einer der engsten Mitarbeiter des Opus Dei-Gründers , hat Escrivá nicht nur persönlich kennen und schätzen gelernt. Er konnte in dieser Zeit auch Einblick nehmen in die ganz besondere Spiritualität des spanischen Priesters, den Papst Johannes Paul II. im Oktober 2002 heiliggesprochen hat.

Thomas schildert Escrivá  als einen bescheidenen Menschen mit faszinierender Ausstrahlung, der sein Leben ganz in den Dienst Gottes und der Kirche stellte. Der Autor zeigt auf, dass es Escrivá in keinem Moment um Macht und Einfluss ging. Die Gründung und der Ausbau des Opus Dei sind vielmehr Früchte einer tiefen Glaubensüberzeugung und einer sehr persönlichen Gottesbeziehung. Lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil hatte der spanische Geistliche die Berufung eines jeden Christen zur Heiligkeit im Alltag erkannt. Sein Werk sollte diese Botschaft in die Welt hinaus tragen.

Josemaría Escrivá  begegnen von Prälat Rolf Thomas ist ein sehr persönliches Buch. Die enge Verbundenheit des Autors mit dem Porträtierten garantiert dabei eine Höchstmaß an Authentizität.“

Die vollständige Besprechung finden Sie hier .

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Leseprobe

Escrivá wurde nach und nach immer bekannter: verehrt von seinen geistlichen Kindern, die ihn einfach „Vater“ nannten, bewundert von jenen, die im Opus Dei einen Aufbruch urchristlichen Geistes sahen, angefeindet von anderen, die in seinen Vorstellungen eine gefährliche Neuerung witterten – „Heiligkeit ist keine Sache nur für Privilegierte“, sagte er. Er reagierte gelassen: „Manche sagen, ich sei ein Heiliger, das stimmt nicht, denn ich bin ein Sünder. Andere sagen, ich sei ein Teufel, doch auch das stimmt nicht, denn ich bin ein Kind Gottes.“

Escrivá war sich bewusst, dass er an der Gründung des Werkes keinerlei Verdienst hatte. Sein geistliches Leben ruhte auf der radikalen Erkenntnis, dass er, dem Großes zu tun aufgegeben worden war, aus sich nichts vermochte und ein Niemand war. Er bewegte sich zwischen Größe und Geringfügigkeit, zwischen Großherzigkeit und Demut. Oft qualifizierte er sich selbst als „taubes und ungeeignetes Werkzeug“, als „einen Sack von Erbärmlichkeiten“, als „nichts und weniger als nichts“. Mit einem Wortspiel sagte er, er sei ein „Gründer ohne Grundlage“ und „ein sehr großer Dummkopf“. Alles in allem „ein Sünder, der Jesus Christus wie verrückt liebt“. Auf seinem Grabstein müsste nach seinem Willen eigentlich stehen: Peccator, Sünder. Dazu bemerkte er: „Das bin ich ja, und als solcher fühle ich mich.“ Diese Definitionen kamen ihm spontan von den Lippen.

Als einprägsames Beispiel mag die Antwort gelten, die er 1975 einer Journalistin aus Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, gab. Sie wollte sich bei ihm bedanken, weil sie durch seine Verkündigung den Glauben gefunden hatte: „Nein, danke nicht mir, sondern Gott. Gott schreibt einen Brief und steckt ihn in einen Umschlag. Den Brief liest man, den Umschlag wirft man weg“ ( Vázquez de Prada III , S. 675).

S. 18f.

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Josemaría Escrivá begegnen

von Rolf Thomas, 154 Seiten, Sankt Ulrich Verlag , 2010, 12,95 Euro

ISBN 978-3-86744-130-8

Eine Buchbesprechung von Andreas Laska in Neue Bildpost, Hamm 2010 / 10